|
Er lebte betend und Gott dankend
Pater Pio dankt dem lieben Gott jeden Tag “für die überaus großen Gaben, die er meiner Seele geschenkt hat” und bittet ihn um die nötigen Gnaden, damit er jene Pflichten treu erfüllen kann, die Gott von ihm erwartet. Sein Gebet stützt sich auf grundlegende Pfeiler: Es ist ein Gebet voll des Lobes. Wenn er betet, spürt er wie sein Herz „von einer Flamme lebendiger Liebe erfüllt wird, es ist eine zarte und süße Flamme“, die das menschliche Leben verzehrt, wie das Feuer das Holz verzehrt, jedoch ohne jeglichen Schmerz auszulösen. Sein Geist ist erfüllt von der Süße Gottes. Er fühlt sich aber nie ganz satt. Seine Seele wird ständig von Gott vervollkommnet, in dem er sich gänzlich seinem Willen überlässt. Er fleht, bittet und erhält Erbarmen. Er preist Gott mit dem Gebet, das Jesus sprach: Er dankte dem Herrn des Himmels und der Erde, weil er diese Dinge den Kleinen offenbarte. Der Heilige Pio teilte sich in die Reihe der Kleinen der Welt ein, die weder wissend noch intelligent sind, die aber zusammen mit ihm, im Heiligen Geist jauchzen, aufgrund der erhaltenen Gnade der Offenbarung Gottes. “Die Seele, die so vom Herrn erfüllt ist, ist nicht redselig, sondern bleibt Stumm”, im Gebet redet sie in der Stille der Liebe mit Gott. Die geheimnisvollen Eigenschaften seiner Spiritualität sind eine unendliche Süße, wie jene Gottes, die den unendlichen Schmerz seines Kreuzweges weder dämpft noch ihm darin Trost spendet. Und Gott zeigt ihm durch die überaus großen Gnaden in Seiner großen Liebe, welches Opfer er von ihm verlangt in der Erfüllung seiner Sendung auf der Erde. Seine Seele ist durchdrungen von einer tiefen Danksagung an Gott. Er fühlt sich wie ein armer, mittelloser Mensch, der in einen Palast eingeführt wurde und dort voller Staunen all die Reichtümer seines Herrn betrachtet und dann „nie in der Lage ist das zu beschreiben, was er gesehen hat“. Das einzige, was er tun kann ist Gott zu danken und ihm mit vollkommener Treue zu gehorchen in jenen Dingen, die Gott in seiner großen Liebe von ihm verlangt. Die Danksagung ist der grundlegende Inhalt seines Gebetes und seiner existentiellen Intimität mit Gott. „Die außerordentlichen Gnaden nehmen immer mehr zu: die Verzückungen werden stärker und heftiger und der Geist fühlt sich immer freier von den Dingen der Welt. Im Mittelpunkt all dessen steht das Bewusstsein, dass all dies, was er erhält, ein Geschenk Gottes, des Schöpfers und Vaters ist. Seine Antwort auf die Gaben, die er erhält, ist das Danken und die klare Bereitschaft, jene Gaben keinen Augenblick für sich selbst zu behalten, sondern sie in der Kraft des Heiligen Geistes in Gnade und Rettung für die Sünder umzuwandeln. Der Heilige Pio hat uns alles gegeben, was er von Gott erhalten hat, er hat nichts für sich selbst behalten, außer der Freude zu sehen, dass Jesus glücklich war. Inmitten so großen Reichtums wollte er arm bleiben, der ärmste Diener von allen sein. Er betete unaufhörlich, dass Gott den ganzen Verdienst seiner Gebete und seiner Leiden uns schenke: „Oh Herr, schenke mir all die Leiden und ihnen den Lohn.“ Zusammen mit vielen übernatürlichen Gaben hat der Heilige Pio die Gnade des Mitleids für die Not der Menschen erhalten. Es war ihm nicht möglich angesichts unserer Probleme und unsere Nöte, sowohl materieller als auch geistiger Art, gleichgültig zu bleiben. Wenn ein Sünder sich im Gebet und in der Qual des Herzens ihm zuwandte, spürte er “einen grossen Wunsch, ihm zu Hilfe zu kommen.” Im Lichte des Heiligen Geistes hat er die Hilferufe der zahlreichen Männer und Frauen jener Zeit und der Zukunft, in der ganzen Weltgeschichte, er sagte „ein drittel der ganzen Menschheit“, gehört. Jesus selbst hat ihm die Hilferufe all jener mitgeteilt, die ihn nicht kannten und auch nicht kennen lernen würden. Es sind dies Menschen, die sich an Gott wenden oder in Zukunft wenden werden; Jesus hat ihre Anrufungen dem Heiligen Pio mitgeteilt, der mit ihm am Kreuz gelitten hat. Für alle jene, die die Gnaden, die er für sie verdient hat, angenommen haben, hat er die Worte des Herrn wiederholt: Vater, ich danke Dir, dass du mich erhört hast. Das war das gleiche Dankgebet, das Jesus dem Vater zuwandte als er das Brot und den Kelch nahm und die Segnung sprach, bevor er dem Tod entgegen ging. Er dankte und lobte die Güte des Herrn für all die Wunder, die Gott für die Erlösung der Menschen wirkte. Er wollte, dass alle, denen er das Mysterium der Barmherzigkeit Gottes offenbart hatte, mit ihm zusammen Gott verherrlichen, denn er ist der einzig Gute. Er sah die Menschheit, wie in einem grossen Konzentrationslager gefangen, in welchem die Peiniger, die aus der Hölle herauskamen, das Leben Gottes in den Menschen, „der Brüder des Exils“ zerstörten. Jesus hat einen Preis bezahlt, um uns freizukaufen. Der Heilige Pio hat dieses Lösegeld um jenen Preis vermehrt, den wir bezahlen müssen. Er hat niemanden um etwas gebeten. Er hat immer alles gegeben. Die Geldspenden und die materiellen Güter, die er erhalten hat, waren von sehr grossem Wert. Er hat alles den Armen gegeben. Als sichtbares Zeichen seiner Mission hat er ein Krankenhaus errichtet und hat es mit seinem Namen getauft „casa sollievo della sofferenza“ (Übers.: „Haus zur Linderung der Leiden“). Er selbst besass nur seine Kutte, sein Brevier und die unbedingt notwendigen Dinge für sein Leben im Kloster und für seine Krankheiten. „In der Vergangenheit brauchte ich die Hilfe der anderen, jetzt nicht mehr. Das wahre Heilmittel um nicht (in die Notwendigkeit viele Dinge zu besitzen) zu fallen, ist sich an das Kreuz Jesu zu lehnen, einzig auf ihn vertrauend, der für unsere Rettung ans Kreuz genagelt werden wollte“. Vom Himmel herab spricht er in unser Herz und lädt uns ein, Gott zu loben, weil er gütig ist und uns sein Erbarmen schenkt, das keine Grenzen hat. Im Himmel, wo er in der Nähe Jesu ist, dankt er, weil seine Gebete und Schmerzen erhört wurden, indem er uns in unserer Erlösung geholfen hat. Seine Freude im Himmel muss sich mit unserer Freude verbinden. Wir müssen mit ihm zusammen Gott für das Heil, das er uns geschenkt hat, preisen. Wir können uns im Heiligen Pio mit Maria verbinden, die Mutter des Herrn und zusammen das Wunder des Heils, das Gott erfüllt hat, preisen. Der Höhepunkt dieses Dankes ist erreicht als Jesus, Maria und der Heilige Pio, das Opfer ihres Lebens zur Rettung der Sünder auf dem Kalvarienberg vollbringen. Wir nehmen an diesem Dank teil, wenn wir die Eucharistie feiern, um Gott zu loben für die grosse Hilfe, die er uns für unsere Bekehrung zukommen liess. Dieser Dank ist unsere Bereitschaft, das Geschenk der Rettung zu erwidern: uns selbst und alles andere mit ganzem Herzen Gott zu schenken. Es ist wie eine Rückgabe, denn alles was von Gott kommt, muss auch wieder zu ihm zurückkehren.
Don Vincenzo Carone (Koord. Servi della Sofferenza)
|